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Urwald

Je mehr ich während meiner Recherche für diesen Text, vor allem aber durch meinen Besuch im malaysischen Regenwald, über den Urwald erfahren und gelernt habe, umso mehr ist mir dessen Bedeutung bewusst geworden. Dieses Bewusstsein möchte ich gerne weitergeben, denn wieso sollten Sie Ihr Verhalten für einen schwindenden Urwald ändern, den Sie nicht kennen, dessen Wert Sie folglich nicht angemessen schätzen können. Bevor ich also die Situation des Urwalds mit seinen vielen Faktoren und Folgen darstelle, möchte ich darauf eingehen, worum es eigentlich geht, wenn man von dem Urwald spricht.
Da der Verlust an Urwäldern nicht auf eine, sondern mehrere sehr unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist, gehe ich dieses Thema von der Problematik her an, nicht jedoch, wie in den anderen Artikeln, von einer einzelnen Alltagshandlung. Was genau das bedeutet, lesen oder hören Sie unten. Viel Spaß!





Inhalt


1
Was bedeutet Urwald überhaupt?
1.1
Artenvielfalt - ein Eindruck
1.2
Die Funktionen des Urwalds

2
Stand der Dinge
2.1
Entwicklung des globalen Waldbestands
2.2
Folgen dieser Entwicklung

3
Ursachen und Alternativen
3.1
Fleisch und Milchprodukte
3.2
Palmöl im Supermarkt
3.3
Biotreibstoffe
3.4
Holzprodukte
3.5
Papier
3.6
Illegaler Holzhandel
3.7
Checkliste

4
Hintergrund
4.1
Forest Stewardship Council
4.2
Roundtable for Sustainable Palmoil

5
Meinungen und Kommentare

6
Quellen und Hinweise

7
Autor






1 Was bedeutet Urwald überhaupt?

1.1 Artenvielfalt - ein Eindruck


Stellen Sie sich mehrere Reagenzgläser vor. Alle sind mit derselben Nährlösung gefüllt. Einzig durch den Sauerstoffgehalt unterscheiden sie sich. In jedes Reagenzglas wird nun ein bestimmtes Bakterium gesetzt. Was man nach wenigen Tagen sieht, ist die Anpassung dieses kleinen Lebewesens an seine Umwelt. In einigen Gläsern sieht man eine Schicht an der Oberfläche, in anderen eine schleimige Masse am Rand des Röhrchens, im nächsten haben sich die entstandenen Bakterien am Boden angesiedelt. Die unterschiedlichen Lebensräume und der Überlebenswille eines jeden Lebewesens schaffen Vielfalt. Dabei kann diese Vielfalt in einem Augenblick verloren gehen, durch ein einfaches Schütteln des Röhrchens [1].

Vor 540 Millionen Jahren, zu Beginn des sogenannten Kambriums, unterschied sich die Situation auf der Erde, in gewisser Hinsicht, nicht groß von der in den Reagenzgläsern. Hier wie dort stand die Entwicklung der Lebewesen und damit der Arten am Anfang. Im Laufe der Zeit haben sich Lebewesen auf erstaunliche Weise ihrer Umwelt angepasst. So simpel die Anpassung der Bakterien an das Milieu in den Reagenzgläsern ist, so komplex und kreativ ist die Anpassung der Lebewesen nach vielen Millionen Jahren heute. Der Dornenteufel beispielsweise [Abb.1] schreckt Jäger nicht nur durch sein Aussehen ab, zwischen den Höckern auf seiner Haut leiten winzige Kanälchen kostbaren Regen und Tau in sein Maul.
Im Rahmen solcher und unzähligen vorherigen Ausdifferenzierungen sind Fortpflanzungsgemeinschaften entstanden. Nur aus solchen Gemeinschaften, Arten genannt, kommen fruchtbare Nachkommen hervor. So erstaunlich diese Entwicklungen sind, so abhängig sind sie auch voneinander. Bestimmte Orchideen-, Iris- und Geranienarten beispielsweise, benötigen ausschließlich die selbe Fliegenart zur Fortpflanzung. Nur ihr Rüssel ist lang genug, um an den Nektar in der Blüte zu kommen und dabei die Staubbeutel der Pflanzen zu streichen. Ohne dieses Insekt sind die genannten Arten, Millionen Jahre Ausdifferenzierung und Entwicklung, verloren - ein Schütteln des Röhrchens genügt [Abb.2].


1.2 Die Funktionen des Urwalds


Als Urwald wird der Wald bezeichnet, der sich nach bis zu mehreren tausend Jahren unberührter Entwicklung in seiner höchsten Entwicklungsstufe befindet. Die äquatorialen Urwälder jedoch haben ihren Ursprung im Tertiär. Weder Eiszeiten, noch Landsenkungen und Überflutungen haben somit die dortige Entwicklung in den letzten 60 Millionen Jahren gestört [2]. Pflanzen und Tiere konnten eine Artenvielfalt entwickeln wie sonst nirgendwo auf der Erde, neben den Korallenriffen. Faktoren wie die hohe Durchschnittstemperatur oder das reichlich vorhandene Wasser tragen ebenfalls dazu bei, dass auf 5000 ha (50 km²) schätzungsweise 1500 Arten von Blütenpflanzen, 750 Baumarten, 125 Säugetier-, 400 Vogel-, 160 Kriechtier-, und 150 Schmetterlingsarten, sowie 42.000 Insektenarten/ha zu finden sind [3]. Alle sind miteinander verknüpft, auf die eine oder andere Weise. Als Teil dieses Gefüges ist der Wald auch zur Heimat und Grundlage einer weiteren Art geworden, zu der des Menschen. Es ist die indigene Bevölkerung, die ebenfalls ihren Anteil am Gleichgewicht des Waldes hat. Es gibt sie noch [Abb.3].

Je nach Einfluss aktueller oder erdgeschichtlich vergangener Umweltfaktoren unterscheiden sich die Wälder verschiedener Breiten und Klimazonen voneinander. Der boreale Nadelwald zum Beispiel ist ein Waldgürtel, der sich von Alaska über Kanada und Skandinavien durch ganz Russland zieht. Im Vergleich zum äquatorialen ist der boreale Urwald eher jung. Hier erscheint das Leben in geringerer Fülle. Nicht weniger beeindruckend ist jedoch, wie sich das Leben den oft lebenswidrigen Bedingungen dort angepasst hat. Darüber hinaus gibt es mit den Wäldern der gemäßigten Breiten und beispielsweise den Mangrovenwäldern viele weitere Escheinungsformen des Waldes und damit des Lebens.

Neben der "Funktion" des Waldes, Leben zu sein und Lebensraum zu geben, erfüllt er zahlreiche ökologische Funktionen. Eine davon ist die sogenannte Evapotranspiration. Über ihre Blätter und Wurzeln nehmen Bäume Wasser auf. Dieses wird zunächst gespeichert, um schließlich über die Blätter wieder abgegeben zu werden. Dadurch erhöht der Wald die Niederschläge sowie die Luftfeuchtigkeit. Ein eigener kleiner Wasserkreislauf entsteht. Auch durch den Humus sowie die vielen Wurzel- und Tiergänge werden im Wald große Mengen an Wasser gespeichert. Diese wasserspeichernden Funktionen ermöglichenden einen kontinuierlichen Abfluss des nun gereinigten und trinkbar gewordenen Wassers aus Quellen in Bäche und später Flüsse. Anders herum betrachtet, verhindert das dichte und starke Wurzelnetz der Bäume Überschwemmungen und Erdrutsche und erhält folglich die wichtige, weil nährstoffreiche Humusschicht [4].

Neben der kurz angesprochenen Funktion, das Wasser zu filtern, hier noch ein kleiner Zusatz zur luftreinigenden Eigenschaft: Pro Hektar filtern unsere Wälder jährlich bis zu 50 t Ruß und Staub aus der Atmosphäre [4].

Betrachtet man den Wald von außen, wird klar, dass auch er Teil eines größeren Gleichgewichts ist: der Klimaregulation. Durch die Fähigkeit der Fotosynthese produziert er große Mengen an Sauerstoff und gibt Tieren und Menschen die Möglichkeit zu atmen. Gleichzeitig nimmt er Kohlenstoffdioxid auf und speichert den Kohlenstoff in seiner Biomasse und im Waldboden. So wird der Wald zu einem wichtigen Faktor bezogen auf den Treibhauseffekt.

Zusammenfassend kann man durchaus sagen, dass der Wald ein unverzichtbarer Teil des ökologischen Gleichgewichts ist. Unabhängig davon habe ich noch gar nicht die vielen sozialen Funktionen berücksichtigt, die der Wald erfüllt - Etwa eine Milliarde Menschen leben in verschiedenen Formen direkt vom Wald [5].


2 Stand der Dinge

2.1 Entwicklung des globalen Waldbestands


Wenn man über den Waldbestand spricht, muss man zwischen Ur- bzw. Naturwäldern, Wirtschaftswäldern und Plantagen unterscheiden. Etwa ein Drittel der Erde ist mit Wald bedeckt. 36% davon sind Urwälder und entsprechen damit der Beschreibung in Kapitel 1. Der Rest entfernt sich, je nach Wirtschaftsform, immer weiter von seiner primären Erscheinung.

Die Abb. 4 und 5 stellen die globale Entwicklung der Waldbestände dar. Demnach gehen pro Jahr etwa 5,2 Millionen ha Waldfläche verloren. Ein Hektar entspricht 10.000 m². Diese Zahlen sind für uns wenig greifbar. Zusätzlich verkompliziert wird dieser Zusammenhang durch folgenden Aspekt: In den genannten Zahlen ist bereits berücksichtigt, dass es Länder gibt, in denen die Waldfläche zunimmt. China beispielsweise hat ein sehr effektives Aufforstungsprogramm und dadurch einen großen Zuwachs an Waldfläche zu verzeichnen, was grundsätzlich positiv ist. Allerdings bestehen diese Flächen zumeist aus Monokulturen und gebietsfremden Baumarten, die in Reih und Glied platziert sind [6]. Auf der anderen Seite findet der Hauptteil der Rodung in Urwäldern statt. Man kann also durchaus sagen, dass Waldvernichtung und Waldzuwachs nicht einfach miteinander verrechnet werden können und die genannten 5,2 Millionen ha, so hoch diese Zahl bereits ist, der Sache nicht gerecht werden. Betrachtet man also die Rodung der tropischen Urwälder isoliert, sieht es weit dramatischer aus: In den vergangenen 30 Jahren wurden über 40% der tropischen Urwälder vernichtet [3].


2.2 Folgen dieser Entwicklung


Im Grunde lassen sich alle Folgen von den oben genannten Funktionen ableiten. Das mit der Abholzung der Ur- und vor allem Regenwälder einhergehende Artensterben hat, gemeinsam mit anderen Faktoren, mittlerweile Ausmaße erreicht, die Biologen mit den sogenannten großen Massensterben der Weltgeschichte vergleichen. Das letzte grosse Massensterben war das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren [Abb.6].

Indonesien und Brasilien befinden sich mittlerweile, nach China und den USA, auf Rang 3 und 4 der CO2-emittierenden Nationen und tragen damit maßgeblich zum Klimawandel bei - keineswegs aufgrund der Industrie. Der in den Pflanzen und Böden gespeicherte Kohlenstoff entweicht bei der Rodung. Dieser Zusammenhang kommt in Süd-Ost-Asien besonders stark zum Tragen, da die dort vorkommenden Torfböden 50 Mal mehr Kohlenstoff speichern als andere [8]. Hinzu kommt, dass die gerodeten Flächen natürlich nicht mehr als sog. CO2-Senken fungieren können.

Die nährstoffreiche Humusschicht ist in den Tropen größtenteils sehr dünn. Die Nährstoffe befinden sich hier vor allem im Wald selbst, den Pflanzen und Tieren. Die auf die Rodung folgende Erosion hat nun zur Folge, dass die dünne Humusschicht, die vorhanden ist, weggespült wird [Abb.7]. Der Wald hat so schlechte bis keine Chancen, auf gerodeten Flächen neu zu entstehen. Daher spricht man oft von der "unwiederbringlichen" Zerstörung der Regenwälder.

Analog dazu verliert die Welt die letzten mit der Natur auf einer Ebene lebenden Völker. Abb. 3 zeigt die "Kombai" beim Sammeln von Maden des Blatthornkäfers. Das Bild wurde wurde vor etwa 14 Jahren auf einer Insel Indonesiens aufgenommen. Links hingegen sehen Sie einen Indio in seinem ungleichen Kampf gegen die Investoren des Staudammprojekts "Belo Monte" in Brasilien [Abb.8].

Soviel zur Bedeutung und aktuellen Entwicklung der Urwälder. Wie kommt es nun, dass der Urwald, der von den meisten von uns sicher als schützenswert bezeichnet wird, gleichzeitig von uns zerstört wird?


3 Ursachen und Alternativen

3.1 Fleisch und Milchprodukte


In Deutschland und der EU wird mehr Fleisch und Milch produziert und konsumiert als es die Ressourcen hergeben. Es gibt ganz einfach nicht genug Platz für die Menge an Futtermitteln, die die hiesige Fleisch- und Milchproduktion erfordert. So werden 78% des benötigten Eiweißfutters in die EU importiert. 65% davon stammen aus Brasilien und Argentinien [9]. Brasilien beherbergt den größten und artenreichsten Regenwald dieser Erde. Gleichzeitig ist Brasilien zum weltweit größten Sojaexporteur herangewachsen. Regenwald wird also für Sojaplantagen gerodet, um unseren Fleisch- und Milchproduktkonsum zu ermöglichen [Abb.9, Abb.10, Abb.11].

Diesem Problem kann nur begegnet werden, indem auf Produkte, die zu Regenwaldvernichtung führen, verzichtet wird. Dafür haben Sie im Bereich Fleisch- und Milchprodukte folgende Möglichkeit. Anbauverbände sind Vereinigungen von Landwirten, die sich Auflagen geben, unter welchen sie Lebensmittel herstellen. Neben vielen ethischen und ökologischen Punkten geht es bei diesen Auflagen auch um Futtermittel. Diese müssen zu mindestens 50% aus dem eigenen Betrieb stammen. Der Rest sollte ebenfalls aus der Umgebung kommen [10, 11, 12, 13, 36]. So ist hier also Regenwaldrodungen für Futtermittel weitestgehend ausgeschlossen, aber auch die Viehzahl selbst durch die eigenen Ressourcen begrenzt.

Nun werden Sie zu Recht sagen, dass die globale Nachfrage auf diese Weise niemals gedeckt werden kann, weder aktuell und erst recht nicht in Zukunft. Richtig, es gibt in diesem Rahmen nur so viel Fleisch- und Milchprodukte, wie unsere Ressourcen es zulassen. Daher kann ein nachhaltiger Umgang mit Fleisch und Milchprodukten nur mit einem reduzierten Konsum einhergehen. Dieser würde sich jedoch automatisch einstellen, da unter den genannten Kriterien nur eine begrenzte Menge an Fleisch angeboten werden kann.

Wenn Sie nun sagen, dass Sie die Regenwaldzerstörung nicht weiter unterstützen möchten, dann können Sie auf Milch- und vor allem Fleischprodukte verzichten oder aber Produkte der Anbauverbände Demter, Bioland, Naturland, Biopark oder Biokreis wählen [Abb.12]. Diese Produkte kosten mehr und sind meist "nur" in Bioläden zu finden. Wenn Sie aber das nächste Mal vor dem Kühlregal im Supermarkt oder der Dönerbude stehen, dann machen Sie sich klar, dass der billige Preis nur auf Kosten des Regenwaldes zustande kommen kann. Versuchen Sie doch einfach mal die Falfeltasche.

Im Endeffekt ist es keine Frage des Geldes, sondern der Prioritäten.


3.2 Palmöl im Supermarkt


Palmöl wird von der Ölpalme produziert und in Kosmetikartikeln, Waschmitteln, Biotreibstoffen und zu 90% in Lebensmitteln verwendet [14]. Die Hälfte aller Lebensmittel Deutschlands enthalten Palmöl [15]. Auch zur Verbrennung bzw. Stromerzeugung wird es mittlerweile gerne genutzt. Dies liegt vor allem an den hohen Hektarerträgen der Ölpalme, die das Öl sehr günstig machen. Grundsätzlich ist gegen günstiges Palmöl auch gar nichts einzuwenden, doch wächst die ursprünglich afrikanische Pflanze ausschließlich in tropischem Klima. Und so wird der großen Nachfrage vor allem aus Süd-Ost-Asien ein Angebot gegeben. Borneo beispielsweise, etwa doppelt so groß wie Deutschland und weltweit die drittgrößte Insel, wird bei anhaltender Entwicklung in 9 Jahren von seinem Tieflandregenwald (bis 800m) befreit sein - für Palmöl [7, Abb.13, Abb.14].

Den größten Einfluss auf ihren Palmölkonsum haben Sie im Supermarkt. Nahe läge hier, auf Produkte mit Palmöl zu verzichten, doch ist dies aktuell nur bedingt möglich. Denn Palmöl wird meist nur als "pflanzliches Fett" auf der Verpackung ausgewiesen und ist damit von anderen Ölen nicht zu unterscheiden. Was ist also aus Ihrer Position heraus zu tun? Nun, der Verzicht auf Regenwaldprodukte wie Palmöl ist alternativlos. So wurde im Sommer 2010 von den Grünen eine Nachweispflicht von Palmöl im Bundestag beantragt, um Ihnen den Verzicht zu ermöglichen. Der Antrag wurde von der aktuellen Regierung abgelehnt [16]. Wenn Sie also die Regenwaldrodung nicht weiter mit Ihrem Geld unterstützen wollen, müssen Sie sich die Mühe machen und entweder
  • den Filialleiter auf die Problematik ansprechen und nach möglicherweise enthaltenem Palmöl fragen,
  • in der sog. "Weißen Liste" nachschauen, ob ihre konsumierten Produkte Palmöl möglicherweise enthalten [Abb.15] oder
  • einfach direkt auf Produkte mit der Angabe "pflanzliches Fett" verzichten. Dieser Ansatz ist deswegen sinnvoll, weil ein Hersteller, der kein Palmöl verwendet, dies mit Sicherheit betonen wird und nicht bei der allgemeinen Bezeichnung eines pflanzlichen Öls bleibt.
Von diesen drei Alternativen ist die erste die effektivste, da bei den anderen beiden weder der Hersteller noch der Verkäufer mitgeteilt bekommt, wieso auf ein Produkt verzichtet wird. Bioprodukte sind von der Problematik übrigens nicht ausgenommen. Das Problem verlagert sich hier nur nach Kolumbien. Zwar wird von Unternehmen wie Alnatura oder Rapunzel betont, dass für die entsprechenden Anbauflächen kein Regenwald gerodet wurde, nicht berücksichtigt wird allerdings die indirekte Landnutzungsänderung, die weiter unten erklärt wird und ebenfalls zu einem Verlust an Regenwaldfläche führt [17, 18].

Jetzt können Sie natürlich sagen: Gut, dann baut der Indonese halt was anderes an. Es wachsen ja nicht nur Ölpalmen dort. Damit haben Sie durchaus Recht. Daher wenden wir uns in Kürze mit einer Petition an die Schwarz-Gelbe Koalition, um ihrer Koalitionsvereinbarung nachzukommen, in der sie schreibt, "international Initiative für die nachhaltige Zertifizierung von Biomasse zu ergreifen" [19].

Ein weiteres Argument, das Sie bringen können, ist: Wenn Palmöl tatsächlich in der Hälfte all unserer Lebensmittel ist und wir auf alternative Öle wie Raps- oder Sonnenblumenöl umsteigen, verlagern wir das Problem dann nicht einfach nach Europa? Das ist grundsätzlich richtig, doch gilt es an dieser Stelle zunächst den Druck von den Urwäldern zu nehmen. Und wenn Sie diese Antwort nicht befriedigt, dann sollten Sie mehr frisches Obst und Gemüse kaufen (biologisch und regional produziert versteht sich), denn pflanzliche Öle befinden sich in Fertigprodukten.


3.3 Biotreibstoffe


Mit der EU-Biokraftstoffrichtlinie aus dem Jahr 2003 soll der Einsatz von Biotreibstoffen, also Biodiesel und Bioethanol, gefördert werden. Die deutsche Bundesregierung setzte die geänderte europäische Richtlinie mit einer Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes um, welche die Anbieter von Kraftstoffen zu einem Bio-Anteil von wenigstens 4,4% für Diesel, 2,8% für Ottokraftstoffe, insgesamt aber wenigstens 6,25% verpflichtet. Bis 2020 soll der Anteil auf 10% steigen. Bereits heute ist mit dem sog. Kraftstoff "E 10" eine 10%-ige Beimischung zu haben [20, 21].
Hintergrund ist der, dass bei der Verbrennung der Biotreibstoffe nur der Kohlenstoff in die Atmosphäre abgegeben wird, der ihr vorher im Rahmen der Fotosynthese entnommen wurde. Außerdem soll so die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und damit den entsprechenden Herkunftsländern verringert werden.

Diese Grundgedanken sind grundsätzlich nachvollziehbar, doch leider nicht weit genug gedacht. Wieder stoßen wir an die Grenzen unserer Ressourcen. Zwar werden mit Raps noch beachtliche Mengen an Öl für Biodiesel aus Deutschland bereitgestellt, doch ist es vor allem Zuckerrohr aus Brasilien und Palmöl aus Süd-Ost-Asien, die den Bedarf des Westens decken [22]. Wieder muss Regenwald weichen. Neben den vielen Problemen, die mit der Rodung einhergehen, wandelt sich die ursprünglich neutrale Klimabilanz so zu einer allenfalls geringfügig besseren gegenüber den konventionellen Treibstoffen [23]. Darüber hinaus sind wir weiterhin von Importen anhängig.

Um zumindest dem ersten Punkt doch noch gerecht zu werden, hat die EU 2009 eine Nachhaltigkeitsrichtlinie vorgegeben, die in Deutschland ab 2011 in Form der Biokraftstoff- (und Biomassestrom-) Nachhaltigkeitsverordnung gültig wird. Diese besagt, dass Anbietern von Biotreibstoffen nur dann Steuervergünstigungen zustehen, wenn entsprechende Treibstoffe nicht auf zuvor gerodeten Flächen angebaut wurden. Dies gilt rückwirkend für Rodungen bis Anfang 2005. Zudem müssen Biotreibstoffe einen CO2-Bilanz-Vorteil von zunächst 35% gegenüber konventionellen Treibstoffen aufweisen. Garantiert wird dies durch das eigens dafür eingerichtete ISCC- und REDcert-Zertifikat [24].
So scheint es, als sei man der Problematik angemessen begegnet. Leider jedoch berücksichtigt die Nachhaltigkeitsverordnung nicht die indirekte Landnutzungsänderung, die sie selbst verursacht. Denn nun wird einfach sämtliches Palmöl, das auf vor 2005 gerodeten Flächen angebaut wird, ausschließlich zur Verbrennung gemäß der Nachhaltigkeitsrichtlinie verkauft. Neugerodete Flächen hingegen werden für Palmöl verwendet, das nicht unter diese Richtlinie fällt, wie das für Lebensmittel beispielsweise. Ebenso einfach kann die Nachhatligkeitsverordnung umgangen werden, indem Flächen außerhalb der Regenwaldzone, die bereits anderweitig landwirtschaftlich genutzt werden, für Palmöl verwendet werden. Die "verdrängten" Produkte ziehen dann einfach in den Regenwald um [23].

So bewirkt die Verordnung also kein vermindertes Roden, sondern lediglich eine, wie der Name schon sagt, "indirekte Landnutzungsänderung". Und das beste daran ist, dass unsere Regierung so ihren Emmissionszielen im Verkehr tatsächlich näher kommt. Um ein mögliches Ohnmachtsgefühl aber garnicht erst aufkommen zu lassen, komme endlich zu dem, was Sie tun können:
  • Sie können die Petition unterschreiben, die ich bereits unter dem Punkt Palmöl erwähnt habe. Denn in dieser Petition geht es darum, sämtliche angebaute und importierte Produkte einer Nachhaltigkeitsverordnung zu unterwerfen. Des Weiteren geht es in der Petition darum, Satellitentechnik dafür zu nutzen, indirekte Landnutzungsänderung zu registrieren. Diese Möglichkeit ist bereits erprobt und einsatztauglich.
  • Sie können auf E 10 verzichten und konventionellen Treibstoff tanken (welcher aber die oben genannten Mindestanteile beinhaltet und natürlich nach wie vor CO2 freisetzt).
  • Die mit Abstand effektivste Alternative ist jedoch, das Auto einfach mal stehen zu lassen. Bald erscheint hierzu der Artikel "Mobilität".

3.4 Holzprodukte


Ein weiterer Grund für den Verlust an Waldfläche ist die Nachfrage nach Holz an sich. Dabei kann es durchaus doppelt lukrativ sein, Wälder kahlzuschlagen. Zum einen wird das anfallende Holz vermarktet, zum anderen werden die anschließend freien Flächen zunächst in Form von Plantagen, später als Viehweiden genutzt [Abb.16].
Alternativ ist es ein beliebtes Vorgehen, dem Urwald ausschließlich wertvolle Holzarten zu entnehmen. Für den sogenannten "selektiven Holzeinschlag", der zunächst urwaldfreundlicher klingt, werden kilometerlange Schneisen in den Wald geschlagen, um an den entsprechenden Baum zu kommen und ihn anschließend abtransportieren zu können. Wilderern dienen die entstehenden "Urwaldstraßen" als perfektes Einfallstor in den Urwald. Zudem schadet der selektive Einschlag nicht nur den, wirtschaftlich gesehen, wertvollen Baumarten. Fällt so ein 60m hoher Urwaldriese einmal um, reißt er viele Bäume mit sich. Diese und andere Gründe führen dazu, dass durch eine Entnahme von 5-10% der Bäume 50-60% mit vernichtet werden. Nach durchschnittlich 4 Jahren sind 32% der "selektiv bewirtschafteten" Wälder gerodet, der Rest kann nicht mehr als Urwald bezeichnet werden. Ein Mahagonibaum bringt auf dem Markt etwa 128.000€ [3, 25, 26, Abb.17].

Wenn nun über die Nachfrage nach Holz gesprochen wird, sollte zwischen der Nachfrage der ärmeren, heimischen Bevölkerung aus Entwicklungs- und Schwellenländern und der industriellen Nachfrage unterschieden werden. Der überwiegende Teil der Regenwälder liegt in Entwicklungs- und Schwellenländern. Hier dient das Holz vor allem als Lebensgrundlage. Dies kann man von industriellen Gütern nicht behaupten. Feuerholz, Hütten und Boote stehen hier hochwertigen Gartenmöbeln, Baumaterialien und Papier gegenüber [Abb.18]. Während man die Beweggründe ärmerer Bevölkerungen noch durchaus nachvollziehen kann, ist das Verhalten wohlhabender Menschen nicht zu tolerieren. Denn zu viel geht verloren für Luxus, auf den überhaupt nicht verzichtet werden muss.

So finden Sie links zwei Holzratgeber, einer herausgegeben von der Tropenwaldstiftung Oro Verde, der andere von Greenpeace. Der Ratgeber der Tropenwaldstiftung stellt in einer Tabelle dar, welche tropischen Hölzer in welchem Anwendungsbereich durch welche heimischen ersetzt werden können [Abb.18]. Der Ratgeber von Greenpeace relativiert die Empfehlung der heimischen Hölzer durch die Tatsache, dass auch Wälder der gemäßigten Breiten unverantwortungsvoll bewirtschaftet werden können [Abb.19]. Hierfür sind die verschiedenen Holzarten mit einer kurzen Erklärung in Risikogruppen eingeteilt. Zudem wird dargestellt, welche Holzarten mit dem FSC-Siegel zu haben sind. Durch dieses Siegel erst wird die ökologisch und sozial nachhaltige Herkunft garantiert. Zusammen ergänzen sich diese Ratgeber sehr gut. Sie finden für jeden Gebrauch die passende Alternative.

Zusammenfassend gilt: Achten Sie bei Hölzern, wie auch bei fertigen Holzprodukten darauf, welches Holz sie kaufen, wo es herkommt und unbedingt auf das FSC-Siegel. Genaueres zur Zertifizierung von Holz und Wäldern finden Sie im Hintergrundteil.


3.5 Papier


Knapp die Hälfte des gesamten Holzbedarfs Deutschlands wird durch Papier gestellt. Dabei geht es hauptsächlich um
  • hygienische Papiere wie Toilettenpapier oder Küchenrollen
  • grafische Papiere wie Druckerpapier, Werbesendungen oder Zeitschriften
  • Papier für Verpackungen
  • Papier für spezielle technische Verwendungszwecke [Abb.21].
Unterschiedliche Statistiken gehen davon aus, dass zwischen 14 und 20% des geschlagenen Holzes auf den Papierbedarf zurückzuführen sind [27]. Wo dieses Frischpapier herkommen kann, zeigt das Beispiel der Firma "Asia Pulp and Paper". 70% ihres Zellstoffbedarfs werden durch die Urwälder Sumatras gedeckt [28] Abb.22]. Anders als beim Palmöl beispielsweise stehen Ihnen hier allerdings eine Reihe von Maßnahmen zur Verfügung, die Sie relativ einfach ergreifen können.
  • An erster Stelle steht hier Ihr Verbrauch. Lesen Sie die Briefkastenwerbung tatsächlich? Könnte die Handyrechnung nicht auch per Email zu Ihnen kommen? Sie kennen sich und Ihre Verhaltensweisen am besten. Hinterfragen Sie diese.
  • Wenn Sie Papier benutzen, dann recyceltes. Denn neben der Tatsache, dass Recyclingpapier keine Waldflächen zum Opfer fallen, ist dieses Produkt ökologisch auch in jeder anderen Hinsicht dem Frischpapier überlegen. Dies bezieht sich auf die eingesetzten Chemikalien, den Gesamtenergieaufwand und das Kohlendioxidaufkommen, bedingt durch Produktion und Transport [30]. Während der Wechsel auf Hygienepapiere aus Altpapier wenig schwerfallen sollte, muss bei Druckerpapier schon genauer auf Qualität und Funktionalität geachtet werden. Dieser Frage hat sich die Initiative "Pro Recyclingpapier" gewidmet [31]. Kriterien an dieser Stelle waren die Erfüllung der Normen für Büropapier (DIN EN 12281, DIN 6738), der Wartungsaufwand für Drucker, die Archivierbarkeit, die Staubbildung und die Urkundentauglichkeit. Ergebnis: Recyclingpapier ist in allen Punkten uneingeschränkt einsetzbar. Selbst die Farbe des Papiers kommt der Weiße von Frischpapier sehr nahe.
    Achten Sie jedoch beim Kauf von recycelten Papierprodukten immer auf den "Blauen Engel". Nur Produkte zertifiziert mit dem "Blauen Engel" garantieren strengste Einhaltung der oben genannten ökologischen und qualitativen Kriterien.
  • Sollten Sie auf Frischpapier nicht verzichten können, so wählen Sie welches, das mit Holz aus zertifizierten Wäldern produziert wurde. Dabei bietet, wie gesagt, das FSC-Siegel die höchsten ökologischen und sozialen Standards. Genaueres zur Zertifizierung von Holz und Wäldern finden Sie im Hintergrundteil.
Der Papierverbrauch Deutschlands entspricht in etwa dem der USA [32]. Durch Ihr Verhalten können Sie hier viel bewegen.


3.6 Illegaler Holzhandel


Alle genannten Punkte, vom Fleisch bis zum Holzprodukt, sind von illegalem Holzhandel durchzogen. Illegaler Holzhandel beschreibt dabei das Verstoßen gegen nationale und internationale Gesetze im Zusammenhang mit Ernte, Transport, Einkauf oder Verkauf des Holzes. So wird der Anteil des illegalen Holzhandels am Weltmarkt auf 20-40% geschätzt. 50% der Holzware Russlands, 75% der Holzware Indonesiens und 80% der Holzware Brasiliens sind auf die eine oder andere Weise illegal. Regierungen sind meist nicht unbeteiligt, exportierende wie importierende. Innerhalb der EU und damit auch in Ihrem Haushalt stammen 16-19% der Holzprodukte und dessen Verarbeitungsformen wie Papier aus illegalen Quellen [33].

Was hat der illegale Holzhandel für Auswirkungen? Die Folgen des beschriebenen, legalen Umgangs mit den Urwäldern, die schon schlimm genug sind, werden stark verschärft. So wird zunächst einmal mehr Fläche gerodet als dürfte und müsste. Außerdem gehen dabei Flächen verloren, die ja aus bestimmten Gründen nicht zur Rodung freigegeben worden sind. Solche Gründe wären z.B. Abhängigkeit indigener oder lokaler Bevölkerung von dieser Waldfläche, Boden mit besonders hohem Kohlenstoffgehalt, der bei Rodung abgegeben wird oder Vorkommen von Arten in ausschließlich diesem Gebiet. Oft sind es auch bestimmte Holzarten, die für das lokale Ökosystem von großer Bedeutung sind. Nicht selten handelt es sich bei illegalem Holz auch um solches aus Konfliktgebieten, mit dem kriegerische Handlungen finanziert werden [34].

Sie können allerdings verhindern, dass illegales Holz in Ihren Haushalt gelangt, indem Sie die genannten Handlungsalternativen der einzelnen Punkte wahrnehmen. Egal ob durch Anbauverbände, Recyclingpapier oder das FSC-Siegel, die ökologischen und sozialen Standards, die diese Alternativen bieten, schließen, sozusagen als Nebeneffekt, auch den Konsum illegalen Holzes aus. Und Folgendes möchte ich noch einmal betonen: Aktuell ist dies die einzige Möglichkeit, etwas gegen illegalen Holzhandel zu unternehmen.


3.7 Checkliste


Nach derart viel Input raucht sicher jedem der Kopf. Daher bringe ich hier eine kleine Checkliste, die die Handlungsalternativen noch einmal darstellt. Wenn Sie nicht weiter die Urwaldzerstörung unterstützen möchten, dann
  • verringern Sie Ihren Konsum von Fleisch und Milchprodukten und beschränken ihn auf solche der genannten Anbauverbände.
  • meiden Sie Palmöl im Supermarkt wo und wie es eben geht.
  • verzichten Sie auf Biotreibstoffe so gut es geht.
  • wählen Sie vertretbare Holzprodukte anhand der beiden Ratgeber.
  • verringern Sie Ihren Papierkonsum und beschränken ihn auf recycelte Papiere.
  • befolgen Sie die genannten Punkte, unternehmen Sie gleichzeitig etwas gegen den illegalen Holzhandel.




4 Hintergrund

4.1 Forest Stewardship Council


Der 1993 entstandene und von Umweltorganisationen (WWF, Greenpeace, NABU, Robin Wood), Sozialverbänden (IG BAU, IG Metall) sowie zahlreichen Unternehmen unterstützte Forest Stewardship Council zertifiziert Wälder, Hölzer und Holzprodukte und bietet dem Endkunden die Möglichkeit, Produkte aus nachhaltiger Waldwirtschaft zu beziehen. Dazu hat der FSC folgende 10 Prinziepen aufgestellt.
  1. Einhaltung der Forstgesetze sowie der FSC-Prinzipien
  2. Langfristige Besitzansprüche und Nutzungsrechte an Land- und Forstressourcen sollen klar definiert, dokumentiert und rechtlich verankert sein.
  3. Wahrung der Rechte indigener Völker
  4. Die Waldbewirtschaftung soll das soziale und ökonomische Wohlergehen der im Wald Beschäftigten und der lokalen Bevölkerung langfristig erhalten oder vergrößern.
  5. Ökonomische Effizienz und Produktvielfalt
  6. Gewährleistung von Biodiversität, Schutzfunktionen des Waldes und Landschaftsschutz
  7. Erstellung und Umsetzung eines Bewirtschaftungsplanes
  8. Kontrolle durch angemessene Dokumentation und Bewertung der Nachhaltigkeit
  9. Erhaltung von Wäldern mit hohem Schutzwert
  10. Plantagen können als Ergänzung zu naturnaheren Bewirtschaftungsformen soziale und ökonomische Vorteile liefern und den Druck auf so genannte "Naturwälder" mindern.
Diese Prinziepen sind die strengsten der vielen zertifizierenden Organisationen. Genauere Informationen als auch einen Papier- und Produktfinder finden Sie auf der Homepage des Forest Stewardship Council - einfach auf das Logo links klicken.


4.2 Roundtable for Sustainable Palmoil


Einer Erwähnung wert ist auch der Roundtable for Sustainable Palmoil, kurz RSPO. Hinter dem Siegel, das das offizielle Ziel verfolgt, nachhaltiges Palmöl auf den Markt zu bringen, steht ein Zusammenschluss von Teilnehmern der Palmölproduktionskette, Lebensmittelkonzernen, Banken sowie verschiedenen NGO`s, darunter der WWF. Ob das Siegel tatsächlich das Versprechen der Nachhaltigkeit hält, ist sehr umstritten. Dahinter stehen zwei verschiedene Ansätze des Umweltschutzes. Der WWF, auf der einen Seite, ist der Auffassung, dass der konstruktive Dialog mit denjenigen, die für die Rodung verantwortlich sind, der richtige Weg ist. So führt das Siegel alleine, laut eigenen Angaben, nicht zu einem Stopp der Regenwaldrodung. Vielmehr geht es zunächst darum, den unvermeidlichen Verlust an Regenwald nachhaltiger zu gestalten. Hierzu hat der WWF, gemeinsam mit anderen Organisationen, unter anderem folgende Kriterien ausgehandelt:
  • Mit dem RSPO-Siegel kann nur solches Palmöl (nicht Unternehmen!) ausgezeichnet werden, das nicht auf Primärwäldern und "schützenswerten Lebensräumen" angebaut wird, welche nach 2005 gerodet wurden.
  • Sollte eine Plantage auf indigenem Gebiet liegen, muss die entsprechende Bevölkerung der Plantage im Vorhinein zugestimmt haben.
  • Der verantwortungsvolle Umgang mit Angestellten ist geboten, Kinderarbeit hingegen verboten.
  • Lediglich in der EU zugelassene Pestizide dürfen auf den entsprechenden Plantagen verwendet werden.
Dem gegenüber stehen Organisationen wie Greenpeace oder Rettet den Regenwald, die das RSPO Siegel durchweg ablehnen. Es sei lediglich ein Mittel der Industrie, die unveranwortliche Regenwaldrodung nachhaltig darzustellen. Tatsächlich geben mittlerweile viele Unternehmen an, Palmöl aus zertifiziert nachhaltiger Produktion zu verwenden und bringen dadurch viele Kritiker zum verstummen. Gleichzeitig kann das Palmöl auf Plantagen gewachsen sein, für die im Jahr 2004 Regenwald gerodet wurde. Genauso kann sich das Palmöl liefernde Unternehmen auf einer anderen, nicht zertifizierten Plantage richtig austoben [39, 40, 41, 42].

Fest steht: mit zunehmendem Anteil an zertifiziertem Palmöl, wird es immer schwieriger, solches bereitzustellen. Wenn Unternehmen dann die steigenden Kosten für zertifiziertes Palmöl scheuen und weiterhin vermehrt auf nicht zertifiziertes Palmöl zurückgreifen, hat sich die RSPO-Zertifizierung tatsächlich als Feigenblatt erwiesen.




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6 Quellen und Hinweise


1 Versuch des Genetikers Paul Rainey mit dem Bakterium Pseudomonas fluorescens im Rhamen seines Forschungsthemas "Entstehung der Formenvielfalt des Lebens"; Beschrieben in National Gegraphic 1/2002

2 "Geographisches Hand- und Lesebuch", 2. Auflage; Erschienen 1989 von Dr. Horst Eichler

3 Forschungsprojekt der Bayerischen Architektenkammer im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) http://www.wecobis.de/jahia/... Tropenholz abc

4 http://www.sdw.de/... waldleistungen/ ab

5 "Mit offenen Karten - Der Zustand der Wälder" (1/3); http://www.youtube.com/... 5kY

6 "Wir haben die Wahl"; erschienen 2009 von Al Gore

7 http://www.wwf.de/... indonesien-malaysia/

8 http://www.wwf.de/... torfmoorwaelder/

9 Zusammenfassung der Studie "Futtermittel und Agrokraftstoffe - Flächenkonkurrenz im Doppelpack"; Studie und Zusammenfassung im Auftrag des BUND, 2008

10 http://www.demeter.de/... 1493

11 http://www.naturland.de/... Erzeugung.pdf

12 http://www.bioland.de/... Logo2.pdf

13 http://www.biokreis.de/... 20EU.pdf

14 Artikel zur "Lebensmittelkennzeichnung" der Grünen Bundestagsfraktion vom 17.6.2010 http://www.gruene-bundestag.de/cms/... durchgese.html

15 http://www.khaolaknews.com/?p=3581

16 http://www.gruene-bundestag.de/... durchgese.pdf

17 http://www.alnatura.de/de/bio... kritik

18 http://www.rapunzel.de/... Anker

19 http://www.cdu.de/... cducsu-fdp.pdf

20 http://de.wikipedia.org/... Kraftstoff%29

21 http://de.wikipedia.org/... forderungen

22 http://www.alliancesud.ch/de/... brot.pdf

23 http://www.eu-koordination.de/... biokraftstoffe ab

24 http://www.iscc-system.org/... index_ger.html

25 Greenpeace, Wald/Amazonas, Heft 1 (225 2)

26 http://www.innovations-report.de/... 69254.html

27 http://www.papiernetz.de/... 115

28 http://de.wikipedia.org/... 28APP.29

29 http://www.greenpeace.de/... wald/

30 Untersuchung des unabhängigen Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU)

31 http://www.papiernetz.de/index.php?page_id=13

32 http://www.wwf.de/... /papier/

33 http://www.wwf.de/... holzeinschlag/

34 http://www.wwf.de/... April2008.pdf

35 http://www.pro-regenwald.de/... Holzhandel

36 http://biopark.de/warumbiopark.php

37

38

39 http://www.rspo.org/

40 http://www.wwf.de/... landnutzung/

41 http://www.youtube.com/... &aq=f

42 http://www.regenwald.org/... rspo





7 Autor


Ich studiere Medizin an der Universität Witten/Herdecke und habe vor gut 2 Jahren die Grüne Verantwortung gegründet. Da ich im ökologischen-gesellschaftlichen Bereich viel Handlungsbedarf sehe, engagiere ich mich hier sehr gerne. Und weil ich zudem eine kleinen Familie habe, muss die Uni zurückstecken, so dass ich mich zur Zeit im Urlaubssemester befinde.
In die Regenwaldproblematik habe ich mich selbst sehr intensiv eingelesen. Ein richtig interessantes und spannendes Thema über das ich auch gerne Vortäge halte.



 
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