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Gas

Jede zweite Wohnung wird in Deutschland mit einer Gasheizung geheizt [1]. Dabei verursacht sie zwar weniger CO2 als eine Kohle- oder Ölheizung [2], doch immer noch weit mehr als nötig, weil es durchaus Alternativen gibt.
So sind Investitionen in eine gute Gebäudedämmung, eine solarthermische Anlage oder eine Pelletheizung Möglichkeiten, die sich mittelfristig nicht nur aus Sicht der CO2-Bilanz lohnen, sondern meist auch finanziell. Vor allem aber der bewusste Umgang mit Wärme ist sinnvoll.
In diesem Text jedoch geht es um den Bezug von Biogas. Warum gerade Biogas? Weil der Bezug von Biogas eine Alternative ist, die viele Menschen ergreifen können, dieser allerdings genau hinterfragt werden muss.





Inhalt


1
Basisinfos
1.1
Herkunft, Verwendung und ein paar Zahlen

2
Eine Alternative
2.1
Biogas unter der Lupe
2.2
Fazit
2.3
Anbieterkriterien

3
Wer erfüllt all diese Kriterien?
3.1
Checkliste
3.2
Empfehlung

4
Hintergrund
4.1
Ökogas

5
Meinungen und Kommentare

6
Quellen und Hinweise

7
Autor






1 Basisinfos

1.1 Herkunft, Verwendung und ein paar Zahlen


Erdgas ist ein fossiler Brennstoff und besteht hauptsächlich aus Methan. Es befindet sich in unterirdischen Lagerstätten, oft in der Nähe von Ölfeldern, da beide Vorkommen auf ähnliche Weise entstehen. Über Jahrmillionen hinweg sind diese aus tierischen und pflanzlichen "Grundstoffen" unter hohem Druck entstanden. Da Pflanzen ihre Energie der Sonne entnehmen und Tiere sich von Pflanzen und anderen Tieren ernähren, handelt es sich im Endeffekt um gespeicherte Sonnenenergie [4]. Diese Lagerstätten können nun erschlossen und das Gas zum Verbraucher transportiert werden [Abb.1]. Erdgas bietet dabei mehrere Verwendungsmöglichkeiten. Es wird im Kraftwerk verbrannt, um Strom zu produzieren, es dient Autos als Treibstoff und wird direkt in den Haushalt transportiert, um dort zum Heizen und Kochen verwendet zu werden. Immer jedoch muss es verbrannt werden, um die gespeicherte Energie freizusetzen. Hierbei gelangt Kohlendioxid in die Atmosphäre, das vorher unter der Erde gespeichert war.

Etwa 50% der deutschen Haushalte beziehen Erdgas zum Heizen und, oder Kochen. Dabei verursacht eine Kilowattstunde etwa 260g an direkten Emissionen [2]. Indirekte Emissionen wären solche, die nicht im Zusammenhang mit der Verbrennung entstehen. Der Verbrauch einer durchschnittlichen Wohnung mit einer Gasheizung in Deutschland liegt bei 7000 kWh/Jahr. Allein die direkten Emissionen einer Gasheizung entsprechen damit etwa 1,8 Tonnen CO2 pro Jahr. Eine solche Zahl ist natürlich sehr schwer einzuordnen, doch machen Sie sich einmal bewusst, dass es sich um 1,8 Tonnen eines Gases handelt, die pro Wohnung und Jahr entstehen.


2 Eine Alternative

2.1 Biogas unter der Lupe


Biogas wird aus Biomasse produziert. Als Grundsubstanzen können sämtliche organische Verbindungen wie Bioabfall, Gülle, Mist oder gezielt angebaute Energiepflanzen verwendet werden. Diese werden in einem Fermenter, dem Herzstück der Biogasanlage, unter anderem mit anaeroben Bakterien gemischt. Die Bakterien produzieren nun das Biogas, das vor der Veredelung hauptsächlich, nach der Veredelung ausschließlich aus Methan besteht [Abb.2, Abb.3]. Dieses kann nun das konventionelle Erdgas in jedem Anwendungsbereich ersetzen. Entscheidend ist an dieser Stelle, dass bei der Verbrennung von Biogas nur der Kohlenstoff in die Atmosphäre abgegeben wird, der ihr vorher entnommen wurde. Man spricht daher von der CO2-neutralen Verbrennung. 260g/kWh an direkten Emissionen stehen hier also 0g/kWh gegenüber.

Bevor man nun aber dazu übergeht, Biogas zu bejubeln, sollte man dessen gesamte "Öko- und Sozialbilanz" betrachten. Im Folgenden haben wir uns und anderen Fragen gestellt, die die tatsächliche Nachhaltigkeit von Biogas und dessen Bezug hinterfragen.

Werden zur Biogasherstellung Grundsubstanzen importiert?
Biokraftstoffe zum Beispiel werden zu hohen Anteilen importiert, da die hiesige Anbaufläche einfach nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken. Die sogenannten "nachwachsenden Rohstoffe" werden dabei meist auf dafür gerodeten Regenwaldflächen angebaut. Jeglicher ökologischer Nutzen ist damit hinfällig. Genaueres hierzu finden Sie unter dem Link "Urwald". Der Import dieser nachwachsenden Rohstoffe für die Biogasherstellung ist allerdings ausgeschlossen, weil nicht wirtschaftlich. Je nach Anlagengröße bezieht eine Biogasanlage die Grundstoffe aus einem 20-30 km weiten Umkreis. Ein Import kommt daher nur in Grenzregionen zustande. Diese Info haben wir aus einem Emaildialog entnommen, bisher jedoch nicht mit einer Quelle bestätigen können.

Welche Auswirkungen hat der erhöhte Flächenbedarf in Deutschland auf die Lebensmittelpreise?
Mais hat gegenüber Gülle und Bioabfällen sowie anderen nachwachsenden Rohstoffen die höchste Energieausbeute [Abb.4]. Folglich wird vorwiegend Mais zur Biogasproduktion verwendet und tritt so in Flächen- und Nutzungskonkurrenz zu den übrigen anzubauenden Pflanzen. Bereits jetzt dient etwa ein Viertel der Maisproduktion der Herstellung von Biogas [Abb.5]. Tatsächlich ist seit Jahren ein Anstieg der weltweiten Getreidepreise zu beobachten [Abb.6]. Dies ist für uns ärgerlich, für Entwicklungsländer und deren kaufschwächere Bevölkerung jedoch ein ernstes Problem. Gleichzeitig ist es schwer, die Preisentwicklung im Agrarbereich auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen, da unter anderem mit dem Wetter, Börsenspekulationen, Veränderungen wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen, um nur ein paar zu nennen, viele Faktoren Einfluss auf den Preis nehmen - und doch, es ist ein Faktor [5].
Für den Anbau nachwachsender Rohstoffe spräche in diesem Zusammenhang hingegen das Argument, dass durch den gestiegenen Bedarf an Mais Exportüberschüsse abgebaut würden. Exportüberschüsse sind vor allem in Entwicklungsländern ein Problem, da sie dort zu konkurrenzlos günstigen, weil subventionierten Preisen angeboten werden und die dortigen Märkte in ihrer Entwicklung hemmen. Da wir hierzu jedoch keine Zahlen haben finden können, bleibt eine Beurteilung dieses Arguments unmöglich.

Wie ökologisch nachhaltig ist die Produktion der Energiepflanzen?
Der Bedarf an Anbaufläche ist derart gestiegen, dass bereits vor einigen Jahren die Vorgabe zum "Liegen lassen" von Brachflächen aufgegeben wurde. Die so gewonnenen Flächen genügen jedoch nicht, um den gestiegenen Bedarf an Mais zu decken. Es werden also nicht nur die ehemaligen Brachen mit nachwachsenden Rohstoffen bepflanzt, sondern, wie oben bereits dargestellt, auch andere Anbauprodukte verdrängt. So entstehen Monokulturen, was direkten Einfluss auf die Biodiversität hat [6]. Eine vielfältige Landwirtschaft, vor allem aber Brachflächen, bieten nun mal ganz anderen Lebensraum als eine großflächige Monokultur.
Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist der Gebrauch von Düngemitteln und Pestiziden. Dem konventionellen Landbau entsprechend werden diese hemmungslos eingesetzt. Auch genmanipulierter Anbau kann nicht automatisch ausgeschlossen werden. Bio-Biogasanlagen, die entsprechend der Biokriterien auf solche Mittel verzichten, sind uns nicht bekannt.

Wie ökologisch nachhaltig ist die Nutzung von Gülle?
Durch den Bezug von Gülle bekommen Tierhalter einen lukrativen Nebenverdienst. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden. Der Biogasanbieter sollte jedoch darauf achten, welchen Betrieb er damit unterstützt. So schließen einige Anbieter den Bezug von Gülle aus Massentierhaltung aus.

Wie sieht die CO2-Bilanz pro kWh unter Berücksichtigung der indirekten Emissionen aus?
Links finden Sie ein Diagramm, das Ihnen unter anderem den CO2-Vorteil von Biomethan zur Erdgassubstition darstellt. Dabei sind tatsächlich alle in der gesamten Produktionskette anfallenden Emissionen berücksichtigt. Und doch variieren die Emissionen von Biogas zwischen den verschieden Anlagentypen bzw. ihren Ausgangsstoffen erheblich. Vor allem Anlagen, die lediglich Bioabfälle zur Biogasherstellung nutzen, Grundsubstanzen also, die sowieso angefallen wären und nicht extra angebaut werden müssen, stehen nocheinmal deutlich besser dar.


2.2 Fazit


Biogas ist also nicht automatisch eine sinnvolle Alternative. Vor allem durch den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen entstehen viele Probleme - der Anstieg der Lebensmittelpreise wird gefördert, Monokulturen entstehen, Biozide und Düngemittel werden eingesetzt. Diese Probleme fallen weg, wenn man sein Gas aus Anlagen bezieht, die Abfälle bzw. Reststoffe zu Biogasherstellung verwenden. Nur unter dieser Voraussetzung kommen wir zu dem Schluss, dass Biogas eine vertretbare Alternative zu Erdgas ist. Das Potential solcher Reststoffanlagen ist natürlich begrenzt, jedoch keineswegs ausgeschöpft.


2.3 Anbieterkriterien


Als ob die genannten Anforderungen noch nicht ausreichten, ist es zudem wichtig darauf zu achten, welchen Anbieter Sie unterstützen. So sollte der Anbieter
  • unabhängig von der Atom- und fossilen Energiewirtschaft sein. Denn andernfalls können Sie sicher sein, dass Ihr Geld nicht ausschließlich dafür genutzt werden, Erneuerbare Energien voranzutreiben.
  • einen Tarif anbieten, der einen zusätzlichen Beitrag zur Neuanlagenförderung oder für soziale Projekte leistet. Denn dadurch wird der Nutzen durch den Bezug von Biogas deutlich erhöht.
  • einen Tarif anbieten, der nicht nur konkurrenzfähig ist, sondern auch eine hohe Beimischung aufweist. Hintergrund: Biogas ist ein sehr neues Produkt, dessen Herstellung noch in den Kinderschuhen steckt und damit relativ teuer ist. Zudem wird die Einspeisung von Biogas ins Gasnetz, im Gegensatz zu anderen Erneuerbaren Energien, nicht subventioniert. So ist Biogas preislich nicht immer konkurrenzfähig und wird meist nur als Beimischung zu konventionellem Erdgas angeboten. Sie haben, je nach Anbieter, also die freie Wahl ein 5-, 10-, 20- oder gar 100%-iges Biogasangebot zu wählen.

3 Wer erfüllt all diese Kriterien?

3.1 Checkliste


Nachfolgend haben wir eine Checkliste angefertigt, die Ihnen die Möglichkeit geben soll, ein lokales oder neues Biogasangebot beurteilen zu können.
  • Setzt der Anbieter hauptsächlich auf Energiepflanzen oder versucht er den Anteil von Abfallstoffen hoch zu halten?
  • Welche Kriterien setzt er an seine Energiepflanzen? Schließt er genmanipulierte und, oder konventionelle Landwirtschaft aus?
  • Welche Kriterien setzt er an die Abfallprodukte? Schließt er den Bezug von Gülle aus Massentierhaltung aus?
  • Ist der Anbieter in die atomare und, oder fossile Energiewirtschaft verstrickt?
  • Bekomme ich lediglich eine 10%-ige oder auch eine 100%-ige Beimischung zu einem guten Preis?
  • Ist in dem Biogastarif eine zusätzliche ökologische oder soziale Förderung enthalten?

3.2 Empfehlung


Biogasanbieter, die es in dieser Sache ernst zu meinen scheinen sind wiederum die Unternehmen Naturstrom und Polarstern. Schauen Sie doch einfach mal bei deren Webseiten vorbei oder lassen sich von uns einen Preisvergleich zumailen.





4 Hintergrund

4.1 Ökogas


Auf dem deutschen Gasmarkt herrscht noch keine Namensordnung. So bezeichnet der eine Anbieter sein Produkt als Biogas, der andere als Ökogas. Dabei können durchaus unterschiedliche Dinge gemeint sein. Während sich hinter dem Namen Biogas meist solches Gas versteckt, das wie oben beschrieben aus Biomasse gewonnen wird, steckt hinter dem Namen Ökogas ganz normales Erdgas. Der Unterschied zum Bezug von konventionellem Erdgas besteht nun darin, dass Sie mehr bezahlen. Dieser Aufschlag, oder zumindest ein Teil davon, wird vom entsprechenden Anbieter so investiert, dass er der Umwelt zu Gute kommt. Entweder werden Emissionszertifikate erworben - Die damit verbundenen Emissionsrechte können von der Industrie nun nicht mehr genutzt werden. Oder es wird gezielt in Projekte investiert, die der Atmosphäre nachweislich CO2-Emissionen ersparen bzw. entziehen [7].
Eine Bewertung von Ökogas ist schwierig. Man müsste den Nutzen der Zertifikate, wie auch jeder einzelnen Projektinvestition, genau hinterfragen. Zudem steckt kein vollständiges Umdenken dahinter, denn auch wenn ein gewisser Aufschlag gezahlt wird, bedeutet Ökogas doch ein gewisses "Weiter wie bisher". Besser als der Bezug von normalem Erdgas ist es aber sicher.





5 Meinungen und Kommentare


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6 Quellen und Hinweise


1 http://www.gastip.de/News/... beheizt.html

2 http://www.co2-emissionen-vergleichen.de/... Heizung.html ab

3 "Schönauer Strom- und Energiespartipps", 2006 herausgegeben vom Bund der Energieverbraucher e.V. und den Elektrizitätswerken Schönau, Matthias Hinnecke ist der Autor

4 http://de.wikipedia.org/wiki/Erdgas

5 http://diepresse.com/home/wirtschaft/... index.do

6 http://umweltinstitut.org/... biodiversitat-813.html

7 http://www.verivox.de/ratgeber/ ...aspx





7 Autor


Ich studiere Medizin an der Universität Witten/Herdecke und habe vor gut 2 Jahren die Grüne Verantwortung gegründet. Da ich im ökologischen-gesellschaftlichen Bereich viel Handlungsbedarf sehe, engagiere ich mich hier sehr gerne. Und weil ich zudem eine kleinen Familie habe, muss die Uni zurückstecken, so dass ich mich zur Zeit im Urlaubssemester befinde.
Über das Thema Biogas habe ich mich im Rahmen meiner Recherche zum Thema Strom schlau gemacht, da es hier sehr viele Überschneidungen gibt.



 
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